Digitale Fotografie; eine Alternative?

 

Manch ein Fotofreund wird angesichts fallenden Preise und steigenden Qualität mit der Anschaffung einer digitaler Kamera liebäugeln. Aber lohnt sich das wirklich und wie schlägt sich die digitale Alternative in ökologischer Hinsicht? Und was sollte man beim Kauf beachten?

Die digitale Fotografie bietet einige Vorteile: Es wird kein Film mehr benötigt, die Bilder können sofort auf dem Kameramonitor betrachtet und bei „Fehlschüssen“ einfach wiederholt werden. Die Übernahme der Bilder in den PC ist unkompliziert und ohne Qualitätsverlust möglich. Oft beherrschen die digitalen Kameras auch andere Spielereien wie kurze, niedrig auflösende Videoaufzeichnungen, manuellen Weißabgleich, Sepia-Farbtöne, andere Farbspielereien oder ähnliches. Wer sich dafür interessiert kann die Bilder im eigenen Computer weiterbearbeiten, so z.B. schnell einen störenden Farbstich ausgleichen. Ein guter Tintenstrahldrucker liefert auf Fotopapier eine dem herkömmlichen Photo beinahe gleichwertige Qualität. Und statt das man alle Bilder eines Filmes „auf einen Rutsch“ entwickeln lässt, kann man sich in aller Ruhe das eine oder andere aussuchen, das man wirklich haben möchte.

Auf der anderen Seite hat die digitalen Fotografie auch einige Nachteile: die digitalen Kameras sind deutlich teurer als qualitativ gleichwertige herkömmliche Geräte. Papierabzüge sind nicht so einfach erhältlich und kosten mehr. Die Kameras bieten häufig weniger oder zu mindest weniger brauchbare Einstellmöglichkeiten. Der Autofokus ist oft langsamer und weniger akkurat. Die Bildfolge ist langsamer und statt einem Film benötigt man genügend Speichermedien und Akkus/Batterien. Der Ausdruck der Foto mit dem eigenen Drucker mag von der Qualität her erfreuen, ist aber ungleich teurer als Papierabzüge herkömmlicher Art und bleicht im Licht schnell aus. Vielleicht schon vorhandenes Zubehör für herkömmliche Kameras kann man mit der neuen digitalen in den allermeisten Fällen nicht benutzen. Nur die wenigsten digitalen Apparate besitzen Wechselobjektive. Und selbst wenn man das Geld für eine digitale Kamera in einem kompatiblen Gehäuse anlegt, verändern sich die relativen Brennweiten der Objektive wegen der im Vergleich zum Film kleineren Fläche der Fotochips.

Ökologisch betrachtet verbraucht eine digitale Kamera bei der Herstellung wohl nicht erheblich mehr Ressourcen als eine herkömmliche. Benutzt man sie hauptsächlich in Kombination mit dem (bereits vorhandenen) Computer und archiviert seine Fotos auf Festplatte oder CD, dann kann sie durchaus ökologisch (und auch ökonomisch) sinnvoll sein. Denn auch wenn in den Fotolabors die Reststoffe der Entwicklung mustergültig entsorgt bzw. recycelt werden sollten, entsteht dadurch dennoch einer merkliche Umweltbelastung. Wenn man jedoch viele Bilder selber ausdruckt oder zur Entwicklung gibt, wird das schnell teuer und der ökologische Vorteil schwindet.

Bei der Wahl der digitalen Kamera sollte man darauf achten, dass man auch Akkus verwenden kann. Dies sollte heute eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, im Zweifelsfall aber lieber nachfragen. Kameras, die nur mit Batterien zu betreiben sind, stellen eine Umweltsünde dar und kommen darüber hinaus schnell teuer. Lithium-Ionen-Akkus bieten die höchste Kapazität, haben aber den Nachteil, dass es sich bei ihnen immer um teure Spezialmodelle für den jeweiligen Kameratyp handelt. Billiger kommen, gerade wenn man auf Reisen gerne einen zweiten oder dritten Akkusatz dabei hat, Apparate, die handelsübliche Akkus im Mignonformat enthalten. Zu dem Kaufpreis der Kamera sollte man gleich noch ein zweites Speichermedium dazurechnen, da die mitgelieferten Speicher meist zu klein sind um auf Dauer Freude zu bereiten.

Eine USB-Verbindung zum Computer verkürzt die Übertragungszeiten drastisch, bei der alten seriellen Übertragung können 32 oder gar 64 MB an Bildern schon mal 1 Stunde brauchen. Aber Vorsicht: selbst wenn Ihr Rechner USB-Anschlüsse hat, können Sie diese erst ab Windows 98 relativ sicher nützen. Manche, gerade ältere, Notebooks verweigern auch unter diesem Betriebssystem den USB-Betrieb mit einer digitalen Kamera. Häufig muss man die Kamera auch direkt an eine der USB-Schnittstellen des Rechners, also nicht über einen Hub, wie man ihn auch in manchen USB-Tastaturen oder Monitoren findet, anschließen.

Von Billigkameras für ein paar hundert Mark mit Auflösungen von z.B. 640x480 oder 800x600 Bildpunkten sollte man die Finger lassen, es sei denn, man möchte wirklich nur Bilder für das Internet schießen. 2 Megapixel bzw. eine Auflösung von 1600x1200 Bildpunkten sollte es schon sein, wenn man Wert auf Papierabzüge in vernünftiger Qualität legt. Wichtig ist dabei die echte physikalische Auflösung des Fotochips und nicht was die Kamera aus diesem Bild per Interpolation macht. Daher lieber beim Kauf explizit nachfragen, ob die geschilderte Auflösung auch physikalisch erreicht wird. 2 Megapixel sollten für Abzüge im Format 10x13 cm gut ausreichen, bei Vergrößerungen muss man jedoch schnell mit ungenügender Detailabbildung rechnen.

Da die wenigsten Digitalkameras Wechselobjektive besitzen, sollte man schon beim Kauf auf eine gute Qualität des Objektives achten. Ein Zoom ist natürlich trotz der unvermeidlichen Abbildungsfehler meist vorteilhaft. Vor dem Kauf sollte man die Kamera im Geschäft auf jeden Fall ausprobieren. Gerade bei den digitalen Modellen sind die Einstellmöglichkeiten oft mangelhaft oder durch winzige Tasten und unübersichtliche Menüstrukturen erschwert. Auch sollte man versuchen, wie schnell und akkurat der Autofokus arbeitet und wie lange es dauert, bis die Kamera nach einem geschossenen Bild wieder „scharf“ ist.

Ein LCD-Display ist eine feine Sache, weil man auf ihm meist genau das sieht, was die Kamera wirklich aufnimmt. Aber bei hellen Sonnenlicht erkennt man auch auf dem besten Display kaum noch etwas, manche billige Versionen taugen nur für geschlossene Räume. Dann ist es gut, wenn die Kamera noch einen herkömmlichen Sucher hat. Ein externer Blitzanschluss kann von Vorteil sein, sind die eingebauten Blitze doch meist nur für geringe Entfernungen ausgelegt und saugen schnell den Akku der Kamera leer. Auch auf die Betriebszeit mit einem Akkusatz sollte man achten. Features wie kleine Videosequenzen (in schlechter Auflösung) und Tonaufzeichnungen zu den Fotos sind nette Dreingaben, die die meisten Menschen jedoch nicht ernsthaft nutzen werden.
Ü ber eines muss man sich klar sein, wenn man eine digitale Kamera kauft: spätestens innerhalb von 2 Jahren ist sie hoffnungslos veraltet. Dann sind schon längst neue Modelle auf dem Markt, die eine noch höhere Auflösung und Bildqualität bieten. Die Technik entwickelt sich gerade in diesem Bereich rasant schnell. Wen auch das nicht abschreckt, der ist mit einer modernen Kamera mit mindestens 2 (besser 3 oder 4) Megapixeln gut bedient. Alle anderen können ruhig abwarten, bis die digitalen Modelle die herkömmlichen im Preis-Leistungsverhältnis eingeholt haben.

Links zum Thema:

digitalkamera.de kommerzielle Seite mit vielen Nachrichten, Tests, Testbildern und sonstige Informationen zur digitalen Fotografie. Interessant sind auch die Tips und Tricks.

digitaleyes.de: ähnliche Seite, aber weniger Inhalte.

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