Internetinhalte kritisch überprüfen
In den vorangegangenen Kapiteln haben wir uns mit der Informationsfindung im Netz beschäftigt. Nun wollen wir versuchen, die gefundenen Quellen näher zu analysieren um ihren Informationsgehalt und ihre Seriosität besser abschätzen zu können. Das ist im Internet dringend nötig, schließlich kann sich hier jeder zu Wort melden, der sich dafür berufen hält. Manchmal geht es auch bei scheinbar “altruistischen” Seiten darum, den Besucher auf irgendeine Art und Weise zum Kauf zweifelhafter Produkte zu überreden.
Die Adresse; erster Hinweis auf die Qualität
Exkurs: Wie sind Internetadressen aufgebaut?
Einen ganz groben Anhaltspunkt kann schon die Webadresse liefern. Seiten auf freien Servern wie Yahoo!Geocities und Tripod, die kostenlos Speicherplatz zur Verfügung stellen, lassen auf Einzelpersonen oder kleine Gruppen ohne große Mittel schliessen. Ausserdem lässt sich der Betreiber der Seite nicht immer feststellen, mit etwas Wissen kann man sich auch mit falschen Angaben anmelden. Das bedeutet nicht, dass die Inhalte solcher Seiten nicht wertvoll sein können, aber Vorsicht ist angebracht. Mißtrauisch sollte man auf jeden Fall werden, wenn der Betreiber vorgibt, für einen großen Verein oder eine Firma zu sprechen (diese haben im Normalfall “bessere” Adressen) oder wenn er es auf irgendeine Art und Weise um Geld geht.
Etwas besser stehen schon Seiten da, die eine eigene Domain unterhalten. Hier lässt sich zumindestens der Domaininhaber feststellen. Dieser haftet prinzipiell für die Inhalte und hat deswegen ein Interesse daran, dass sie nicht geltendes Recht brechen. Ausländische Domains sind mit mehr Vorsicht zu genießen als deutsche, da man einen nicht weiß, was in anderen Ländern toleriert wird. Ausgenommen davon sind z.B. Gov- und Edu-Domainen (xyz.gov bzw. xyz.edu) die für amerikanische Reigierungs- bzw. Bildungseinrichtungen reserviert sind. Bei deutsche Seiten auf ausländischen Domains sollte man sich immer nach den Grund fragen, warum sie nicht in Deutschland beheimatet sind. Der mag ganz harmlos sein, z.B. weil eine große Firma ihren Auftritt international zusammenfasst. Aber es könnte auch sein, dass jemand versucht, den deutschen Gesetzen zu entgehen.
Tipp: So findet man den Inhaber einer deutschen Domain: kopieren Sie den Domainnamen (z.B. oekomarkt-erlangen.de). Gehen Sie zu DENIC, der zentralen Registrierungsstelle für de-Domains. Hier wählen Sie den Punkt “Whois - Suche nach Domainnamen” und fügen den Domainnamen in das entsprechende Feld ein. Jetzt nur noch “Suchen” drücken und sie erfahren Namen und Adresse des Inhabers. Für beliebige internationale Domains können Sie dieses Verfahren analog bei www.checkdomain.com/ durchführen.
Grundsätzlich vertrauen kann man Inhalten, die auf den offiziellen Seiten von Institutionen wie z.B. Universitäten untergabracht sind. Aber Vorsicht; eine Adresse, die mit www.uni-xyz.de beginnt, kann auch die private Homepage eines Studenten sein.
Die Größe kann auch ein Anhalt sein
Prinzipiell bedeutet eine große Seite mit vielen Informationen viel Arbeit und hohe Kosten. Wenn die Seite auch noch häufig aktualisiert wird, dann wird hinter der Seite kaum einer Einzelperson “gehören”, die es darauf ankommen lässt, dass die Seite schnell geschlossen werden könnte.
Wie ist der Stil?
Ist die Seite in einem neutralen oder eher reißerischen Ton gehalten? Fühlen Sie sich informiert oder manipuliert? Aggressive Webesprache und phrasenhafte, plakative Redewendungen sprechen gegen ein seriöses Angebot, ebenso “Dankesschreiben” von begeisterten Kunden oder Anhängern. Wird mehr Wert auf Designspielereien oder auf Information gelegt? Ein Grundsatz lautet: je nüchterner das Layout, desto vertrauenswürdiger der Inhalt (aber auch hier gibt es natürlich Ausnahmen in beide Richtungen). Wie aktuell sind die Inhalte? Sind alle Teile der Seite erreichbar? Welche Links werden aufgeführt?
Tip: Ist ein Guestbook vorhanden, dann lohnt sich auch in Blick hinein. Hören sich die Beiträg “echt” an oder liest man nur anonyme Lobeleien? Wer hat sich hier verewigt, sind es “vernünftige” Menschen oder extreme Anhänger einer Richtung?
Wer steckt hinter der Seite?
Grundsätzlich sollten auf einer vertrauenswürdigen Seite immer der oder die Verantwortlichen angegeben sein. Bei großen Angeboten findet man diese Angaben häufig z.B. unter “Impressum”, “über uns” oder “Kontakt”. Fehlen Angaben zum Betreiber, sollte man eher vorsichtig sein.
Handelt es sich bei der Seite um die Veröffentlichung eines Betreibers, den Sie schon aus der “realen Welt” kennen, so verdient die Seite meist ebenso viel Vetrauen wie die reale Figur. Allerdings sollten Sie sichergehen, dass es sich wirklich um den gleichen handelt und nicht um einen Trittbrettfahrer mit ähnlichem Namen oder z.B. einem Verein gleichen Namens in einem anderen Ort. Findet man den oder die Verantwortlichen, so kann man deren Namen als Suchbegriff in einer Suchmaschine verwenden und erfährt so manchmal noch mehr über die Personen. Wenn die Namen recht häufig sind, dann kann man die Ergebnisse mit anderen Begriffen verbessern, z.B. indem man den Ort des Firmensitzes bzw. den Wohnort mit angibt.
Wer verlinkt auf die Seite?
Geben Sie doch einfach mal den Seitentitel oder die Webadresse in eine Suchmaschine ein und sehen Sie sich die Ergebnisse näher an. Sie sehen nun, von welchen anderen Seiten aus auf die betreffende Adresse verwiesen wird. Finden sich viele (seitenfremde) Links und sind darunter viele seriöse URLs, so stärkt das die Vertrauenswürdigkeit der Seite. Allerdings sollten Sie sich den einen oder anderen Link näher ansehen, um sicher zu stellen, dass die Seite nicht nur als “schlechtes Beispiel” aufgeführt wird.
Beispiel: wenn Sie www.oekomarkt-erlangen in Google eingeben. so finden Sie derzeit (August 2001) 45 Adressen, von denen jedoch eine Vielzahl auf den eigenen Unterseiten ist und daher in der Standardeinstellung nicht angezeigt wird. Unter den verbleibenden finden sich einige Einträge in Geschäftsdatenbanken, die zumindestens einen Hinweis darauf liefern, dass es den Ökomarkt wirklich gibt :-) . Insgesamt zeigt das Ergebnis, dass es sich um eine (noch) realtiv unbekannte Seite handelt. Für einen Bioladen ist das natürlich vollkommend in Ordnung. Würden wir aber behaupten, wir könnten Ihnen exklusiv irgendwelche bahnbrechenden Wunderdinge wie einen völlig schadstofffreien und verbrauchsarmen Autoantrieb verkaufen, wäre eine gesunde Portion Skepsis angebracht. Dann müssten sich viele Links von Umweltverbänden etc. auf uns beziehen.
Wie sagen andere Angebote zu dem Thema?
Geben dazu das Thema in eine Suchmaschine ein und sehen Sie sich die Ergebnisse genauer an. Versuchen Sie möglichst immer verschiedene Meinungen zu einem Thema zu hören, wenn es für Sie wichtig ist. Gibt Stellungnahmen von Anbieter, denen Sie vertrauen? Wenn es mehrere Seiten mit unterschiedlichen Meinungen gibt, sollten Sie sich zunächst die Frage stellen, welche vertrauenswürdiger erscheint. Lassen Sie sich nicht dadurch “einlullen”, dass eine Seite Ihren Vorstellungen und Wünschen sehr nahe zu kommen scheint, es könnte sich auch um reines “Marketing” handeln.
Beispiel: Sie haben irgendwo im Netz von einem rein pflanzlichen Mittel gelesen, das nebenwirkungsfrei alle möglichen Beschwerden lindert und Körper und Geist wieder ins Gleichgewicht bringt. Bevor Sie dieses nun bestellen, sei Ihnen dringend geraten, zuvor das Netz nach anderen Meinungen zu durchforsten. Manche “Wundermittel”, die als vollständig natürlich und ungefährlich angepreisen werden, können durchaus ernstzunehmende Risiken haben. Zum Problem der Interentmedizin vergleiche z.B. dieses Interwiew mit Günther Eysenbach.
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