Die Geschichte des Wandergeschenkes
Ein kleiner Leitfaden für Interessierte

In seinem täglichen Leben wird der Wandergeschenkliebhaber immer wieder mit dem katastrophalen Unwissen seiner Umgebung konfrontiert. Darum hat sich der Vorstand des FFdW entschlossen, diesen kleinen Leitfaden herauszugeben, Allen dem Wandergeschenk verbundenen zur Hilfe und dem Unwissenden zur Belehrung.

Selbst in gebildeten Kreisen hält sich hartnäckig die Meinung, das Wandergeschenk sei eine Errungenschaft des 20. Jahrhunderts. Diesem ist aber nicht so; wie uns die aufsehenerregenden archäologischen Funde Professor Dünnbiers in Mesopotanien beweisen, gab es eine ähnliche Sitte schon vor 4500 Jahren. Eines seiner schönsten Fundstücke, ein pinkfarbener Jadeochse, der auf Fingerdruck einen fahren lässt, ist übrigens das Prunkstück einer Wanderausstellung in den berühmtesten Museen der Welt.

Aus Mesopotanien kommend erreichte das Wandergeschenk im 23. vorchristlichen Jahrhundert Ägypten. Hier erlebte das Wandergeschenkwesen im zweiten Pharaonenreich eine kulturelle und künstlerische Blütezeit. Entgegen der Überzeugung Halbgebildeter waren die Pyramiden nicht etwa Begräbnisstätten, sondern Aufbewahrungsorte für besonders prachtvolle Wandergeschenke. Dadurch erklärt sich auch, warum man die meisten derartigen Gebäude bei ihrer Öffnung leer fand; die Pharaonen hatten die Verteilung aller vorübergehend in ihrem Besitz befindlichen Gegenstände zu Lebzeiten testamentarisch festgelegt. Nur besonders nachlässige Herrscher versäumten dies und wurden zur Strafe nach ihrem Tode ausgenommen, ihres Gehirnes beraubt und inmitten ihrer unsittlich angesammelten Wandergeschenke beigesetzt. Mit bestimmten Ölen und Säften wurden ihre Körper haltbar gemacht, auf dass sie noch kommenden Generationen als Warnung dienten.

Mit dem Niedergang des Pharaonenreiches begannen griechische Händler nach Ägypten zu reisen. Sie brachten das Wandergeschenk nach Hellas, wo es von der Gesellschaft begeistert aufgenommen wurde. Man kann sagen, dass die demokratischen Stadtstaaten Griechenlands ohne ein ausgeklügeltes Verteilungssystem für Wandergeschenke, das wie Kitt das soziale Gefüge durchzog, nicht über Jahrhunderte überleben hätte können. Alle Bewohner einer Stadt waren dem gleichen Ziel verbunden: den Ruhm ihrer Heimat und ihr Lebensglück durch besonders gelungene Wandergeschenke zu mehren. Auf der Suche nach dem idealen Geschenk erreichten die bildenden Künste und die Philosophie Griechenlands ein Niveau, das auch heute noch bewundert wird. Wenn man mit offenen Augen durch die Museen läuft, findet man viele Zeugnisse der damaligen Zeit. So dienten etwa Statuen mit übergroßen Phalli nicht etwa religiösen Zwecken, sondern zirkulierten als Wandergeschenke und wurden meist zum Aufhängen von Handtüchern benutzt.

Das römische Reich übernahm das Wandergeschenkwesen, wie überhaupt den Großteil seiner Kultur, von den Griechen. Als sich im 3. Jahrhundert vor Christus der kathargische Generalgouverneur von Sizilien weigerte, ein besonders prachtvolles Wandergeschenk turnusgemäß weiterzugeben, brachen die Punischen Kriege aus. Zunächst besetzten die Römer Sizilien und brachten das Geschenk, ein grünes, lebensgroßes Plüsch - Warzenschein mit rosa Punkten, in ihre Stadt zurück. In einer Strafaktion versuchte Hannibal unter dem Einsatz aller kathargischen Kräfte, die Plüschfigur zurückzuerobern. Er hatte jedoch keinen Erfolg und Kathargo, durch die Kriegskosten finanziell ausgeblutet und durch den Mangel an hochwertigen Wandergeschenken diplomatisch isoliert, wurde schließlich im Jahre 146 von den Römern zerstört.

Auf dem Höhepunkt der römischen Macht verbreitete sich das Wandergeschenk mit den Legionen und Kaufleuten über die gesamte damals bekannte Welt. Im ersten Jahrhundert nach Christus erreichte es sogar China. (vergleiche hierzu H. Wunderlich: Wandergeschenk und Seelenwanderung; eine Kulturgeschichte Asiens, Bettelmannverlag). Als jedoch die Dekadenz die Kultur Roms zersetzte, kam es auch zum Niedergang des Wandergeschenkwesens. Nicht mehr die Idee zählte, sondern der Wert. Den unterdrückten Kolonien wurden von ihren Verwaltern riesige Mengen an Wandergeschenken abgepresst, die diese nach ihrer Rückkehr nach Rom für ihre politische Karriere benötigten. Es kam zu erschreckenden Auswüchsen, abgeschlagene Gladiatorenköpfe und besonders missgestaltete Sklaven zirkulierten in den höchsten Kreisen. Ende des 3. Jahrhunderts kam es unter Kaiser Diokletian noch einmal zu dem Versuch einer Erneuerung des Wandergeschenkwesens. Doch es war schon zu spät, die wenigen sittlichen Männer, die Rom in eine neue Zukunft führen wollten, scheiterten an den Verderbtheiten der Gesellschaft. Das römische Reich wurde geteilt und Rom selbst von den Goten erobert.

In den folgenden Jahrhunderten breitete sich das Wandergeschenk mit der Christianisierung über ganz Europa aus. Als Sinnbild des miteinander Teilens spielte es eine zentrale Rolle in den frühen christlichen Gemeinschaften. In dem Beschenktwerden und Weiterbeschenken offenbarte sich eine lebensbejahende, mehr nach Harmonie als nach Eigenbesitz strebende Grundhaltung. Diese Einstellung geriet jedoch bald in Konflikt mit einer nach politischer und finanzieller Macht strebenden Kirchenorganisation. Schon im 10. Jahrhundert mehrten sich die Angriffe demagogischer Prediger gegen das Wandergeschenkwesens. Nach ihrer Ansicht hatten die Menschen zu viel Achtung vor dem Anderen und seinen Ideen und zu wenig Furcht vor Gott und der Kirche. Doch die Kirche konnte nur einen Teilerfolg verzeichnen; zwar gewann sie einen großen Teil der herrschenden Schicht für sich, im einfachen Volk jedoch hielt sich die uns so wertvolle Sitte weiterhin.

Dies änderte sich schlagartig. Als im 13. Jahrhundert Europa von der Pest heimgesucht wurde, schlug die Kirche zu. Die Inquisition wurde zu einem Instrument des Schreckens. Die Pest werde durch Wandergeschenke verbreitet, hieß es. Die Geschenke kämen vom Teufel und seien mit seinem krankmachenden Speichel und Sperma besudelt. Wer Wandergeschenke verbreite, diene dem Satan und müsse mit Feuer und Schwert vernichtet werden. Die Menschen, die sahen, wie ganze Landstriche von der Pest entvölkert wurden, leisteten in ihrer Angst und Ohnmacht keinen nennenswerten Widerstand. Wer verdächtig war, wurde verhaftet, gefoltert und verbrannt.

So wurde das Wandergeschenkwesen in Europa beinahe völlig vernichtet und vergessen. In unserer Zeit erinnern nur noch wenige Bräuche, wie z. B. die Wanderpokale von Sportvereinen, an die einst so verbreitete Sitte. In einigen Enklaven jedoch, besonders im Süden Deutschlands, hat sich dieses Brauchtum beinahe unberührt erhalten können. Von diesen Keimzellen fortschreitend erlangte es in den letzten Jahren eine zunehmende Popularität. Besonders zu erwähnen ist hier Herr Michael Church aus Erlangen, dessen unermüdliche Bemühungen seit 1982 es zu verdanken ist, dass im Jahre 1991 die Fränkischen Freunde des Wandergeschenkes als erster Verein seiner Art gegründet wurde.

 


Offene Fragen an den FFdW

Was ist ein Wandergeschenk?
Ein Wandergeschenk ist ein Gegenstand, der netten Leuten von netten Leuten mit der Intension geschenkt wird, dass diese ihn möglichst bald weiterverschenken.

Muss ein Wandergeschenk Hässlich sein?
Nein, im Gegenteil. ein Wandergeschenk sollte immer für sich betrachtet ein einmaliger Gegenstand sein, für seine Art gut gelungen. wenn man sich in es hineinfühlt, sollte man zumindest einen Hauch von Großartigkeit verspüren. Aber zumindest geschmacklos sollte es sein, um den neuen Besitzer den unausweichlichen Abschied zu erleichtern.

Muss ein Wandergeschenk teuer sein?
nein, denn nicht auf den materiellen, sondern auf den ideellen Wert kommt es an. Es muss nicht unbedingt aus Gold oder Silber bestehen, als Material bieten sich auch Plastik und Pappe an.

Muss ein Wandergeschenk groß sein?
Im Prinzip nicht. Jedoch sollte ein Wandergeschenk immer gut sichtbar verwahrt werden. Je größer das Objekt ist, desto besser kann man es folgerichtig auch sehen. deshalb ist eine lebensgroße Indianerstatue auf jeden Fall besser als Wandergeschenk geeignet als eine Miniatur.

Was bietet mir der FFdW?
außer den ideellen Werten, die wir vermitteln wollen, bieten wir unseren Mitgliedern noch weit mehr: kostenlose Beratung in allen das Wandergeschenk betreffenden Fragen, häufige Feiern mit Wandergeschenkfreunden, halbjährliche Listen mit den wichtigsten Jubiläumsdaten der Mitglieder, Wandergeschenk - Aufkleber für besonders schöne Wandergeschenke, Die Güteprüfung GG (gutes Geschenk) und noch vieles andere mehr.

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